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02. September 2015

Paris-Brest-Paris 2015


Über 1200 Kilometer ohne Pausen auf dem Fahrrad sind eine ganz schön lange Strecke und das vor allen Dingen, wenn man diese im jungen Alter von 19 Jahren in Angriff nimmt. Kaum zu fassen sind die vielen Eindrücke auf der Strecke, die körperliche Extrembelastung und der Gang an die eigene Grenze. Genau deshalb gibt es zum Saisonhöhepunkt keinen seitenlangen Rennbericht in gewohnter Form, sondern die wichtigsten Punkte auf einen Blick.

Herangehensweise:
Der Superbrevet Paris-Brest-Paris sollte ganz nach dem Mythos eines Brevets gefahren werden und somit im Vergleich zu einem Ultracyclingrennen ohne fremde Hilfe aus einem Begleitfahrzeug in Angriff genommen werden. Diesem Mythos nicht folgend hätte man eine Menge Zeit einsparen können, weshalb es auch viele Fahrer gab, die dem nicht nachkamen. Bei der Qualifikation mit 200-, 300-, 400-, und 600 Kilometer Brevets im Frühjahr war es bereits Zielsetzung, auch den Superbrevet wie einen Brevet zu fahren und so war in Frankreich vom Ersatzreifen über Stromversorgung mit Akkus am Rad bis zur Ersatzkleidung und Ernährung alles im verhältnismäßig schweren Gepäck vorhanden. Hauptsächlich ging es auch darum, die Strecke nahezu schlaflos zu schaffen, um Erfahrungen in dieser Richtung zu sammeln. Wie beim Brevet üblich, war die Zeit nur zweitrangig und es ging hauptsächlich ums Ankommen, weshalb auch viele Minuten mehr zum Essen und Stempeln an den Kontrollen verbraucht wurden, ohne viel Rücksicht auf die im voraus geplanten 55 Stunden zu nehmen.

Begleitung:
Zwischen den Kontrollen wurde planmäßig kraftvoll getreten, um den reinen Fahrschnitt am Ende auf über 29 km/h hoch zu drücken. Ob der Körper im jungen Alter diesen extremen Belastungen standhalten würde, war vor der Reise nach Paris nicht sicher und auch sollte ein längerer Film über das Projekt entstehen, sodass Henning Borchert als Arzt ein guter Begleiter war, der nun aus einem Medienfahrzeug heraus filmerisch dokumentierte und einen Liveticker auf facebook aktuell hielt. Einzig im Notfall wäre aus dem Begleiter ein Betreuer geworden und aus dem Medienfahrzeug ein Begleitfahrzeug. Paris-Brest-Paris wurde dennoch mit Begleitung ohne Betreuung wie ein echter Randonneur gefahren.

Unfassbarkeit:
Der Abstand zwischen Startzeit und Zielzeit war beim Saisonhöhepunkt so groß, dass dazwischen ganze 62 Stunden lagen. Es lässt es sich selbst leider kaum fassen, was innerhalb dieser Zeit alles passiert ist. Kaum merklich verschwammen vier Tage und drei Nächte zu einem Brocken an Erinnerungen, Details und Erlebnissen. Schöne Erinnerungen an komplett verschiedene Landschaften oder schlechte Erinnerungen an alpträumerische Straßen teilte der Kopf nach nur kürzesten Powernaps schon in Etappen ein. Eher müsste man ein Buch über den französischen Superbrevet mit seinen Startern aus aller Welt schreiben, als das man einen kurzen Rennbericht schreiben kann. 1231 Kilometer am Stück fühlen sich nicht an, wie ein langer Mountainbike Marathon den man einfach zu Ende fährt, sondern eher wie als würde man beispielsweise die Salzkammergut MTB Trophy sechs mal hintereinander fahren oder drei 24h Rennen am Stück fahren.

Müdigkeit:
Insgesamt schlagen beim Saisonhöhepunkt 55 Minuten Schlaf zu Buche, was bedeutet, dass der Superbrevet nahezu schlaflos beendet wurde. Schlechter als gedacht verlief der Kampf gegen die Müdigkeit, der aber schließlich doch noch gewonnen werden konnte. Nichts am Superbrevet bereitete mehr Probleme als die Müdigkeit. Während in der ersten Nacht wenige kurze Powernaps ausreichten, begann es im Verlauf des folgenden Tages hart zu werden und in der Mittagssonne fielen die Augen während der Fahrt im Sekundenschlaf zu. Nach der ersten zehnminütigen Schlafpause an einer Kontrolle folgte eine Phase der Besserung, um später nicht ganz ungefährlich mit Schlafmangel durch die zweite Nacht zu fahren, die zum Ende hin im 10 Kilometer Abstand Powernaps forderte, um schließlich kurz vor Sonnenaufgang doch in einer längeren Schlafpause zu enden. Das zweite mal das Tageslicht erreicht, wurde nahezu der komplette Tag durchgefahren, bevor es in die letzte Nacht ging.

Grenzerfahrungen:
Die letzte Nacht des Brevets sollte in der Planung weniger Zeit benötigen, musste aber wegen der hohen Müdigkeit um Deutliches länger sein. Halluzinationen begleiteten schon die zweite Nacht und schlugen in der dritten Nacht in voller Härte zu. Auch der Sekundenschlaf führte einige Male in den Straßengraben, wobei zum Glück keine schlimmen Stürze entstanden. Geistig schon in einer anderen Welt aus Kindheitserinnerungen sorgte der im Lichtkegel vorbeirauschende Straßenbelag auf den langen Geraden für eine Alptraumfahrt, die eine echte Grenzerfahrung war. Die Geisteswanderung konnte schließlich nur gestoppt werden, indem die letzten fünfzig Kilometer vor dem Ziel mit Dauergesprächen aus dem Medienfahrzeug begleitet wurden. Kurz zuvor wurde mitten auf der Straße stehend in Selbstgesprächen erklärt, wie oft es innerhalb der letzten zehn Kilometer schon in der Stadt im Kreis ging, obwohl es in Wirklichkeit nur geradeaus über Felder ging.

Extrembelastung:
Muskulär und körperlich ist der Saisonhöhepunkt den Umständen entsprechend gut weggesteckt worden. Die Achillessehnen begannen nach rund 800 Kilometern und der kalten zweiten Nacht starke Schmerzen zu verursachen. Trotzdem konnte mit angepasster Trittfrequenz weitergefahren werden, bis schließlich mehrere hundert Kilometer weiter die Ursache der Schmerzen entdeckt wurde: Die Kompressionswirkung der Socken war auf der langen Distanz zu stark. Weiterhin gab es nach der Ultradistanz weder Muskelkater, noch große Erschöpfungserscheinungen und auch im Gesäßbereich waren kaum Schmerzen vorhanden. Durch den enormen Schlafmangel geschwächt, war nur das Immunsystem nach der Rückreise angeschlagen. Seit drei Tagen zurück und den fehlenden Schlaf zu Teilen aufgeholt, ging es leider mit der ersten Krankheit seit Jahren weiter.

Wetter:
Durchweg frei von Regen lieferte das Wetter erst einmal sehr gute Bedingungen für die 1200 Kilometer Radfahrt und vermieste so auch bis zum Ende nicht den Spaß am Fahrrad fahren. Schwierigkeiten bereiteten dennoch die hohen Schwankungen der Temperatur zwischen Tag und Nacht. Vor allen Dingen in den frühen Morgenstunden der zweiten Nacht fiel die Temperatur deutlich und zwang dazu die wärmere Kleidung anzuziehen. Tagsüber dagegen wurde trotz warmen Sommertemperaturen schnell vergessen diese wieder auszuziehen und somit ging es mit nassgeschwitzten Kleidern in die letzte Nacht, in der schließlich alles angezogen werden musste, was noch im Rucksack war. Unterm Strich war also alles vom Kampf gegen die Kälte bis zum dicken Sonnenbrand dabei, eben nur kein Regen.

Ernährung:
Gut eingeteilt wurden vom Start weg in regelmäßigen Abständen Dextro Energy Riegel gegessen, damit der Magen immer beschäftigt ist. Um dem drohenden Hungerast ohne Begleitfahrzeug immer noch rechtzeitig aus dem Weg zu gehen, musste an fast jeder Kontrollstelle mal mehr oder weniger Nahrung zu sich genommen werden, was leider zu schnell wachsenden Pausenzeiten führte, die aber nun einmal im Brevet nicht als schlimm empfunden wurden. Außerdem ging das Konzept gut auf, denn bis zum Schluss gab es keine Verdauungsprobleme. Besonders bei Paris-Brest-Paris war, dass auch jenseits der Kontrollstellen viele Zuschauer vertreten waren. Teilweise verteilten diese Crepes, Kekse oder Wasser für umsonst und freuten sich sehr, wenn man anhielt. Mit dem Trinken sah es einfacher aus als mit der Nahrung und die immer mit Wasser und Getränkepulver an den Kontrollen aufgefüllten Flaschen wurden sich je nach Temperatur gut eingeteilt. Auf Cola, Eistee oder Energydrink konnte komplett verzichtet werden und nur eine Koffeintablette musste in der zweiten Nacht gegen die immer schlimmer werdenden Halluzinationen eingenommen werden.

Material:
Die mit viel Elektronik ausgestattete Ausrüstung musste am Laufen bleiben, weshalb Kamera und Navigation zuverlässig vom wasserdichten Notstrom Akku der Firma Znex versorgt wurden, welcher im späteren Rennverlauf auch den Handyakku einmal komplett auflud. Außerdem hielten Lampen von Lupine auch in der Nacht die Straße hell, sowie mit dem Rotlicht als Rücklicht sicher. Weiterhin fand man die ausgeschilderte Strecke am Tage gut, doch Nachts ging es deutlich besser, die Strecke wie im normalen Brevet mit Navigation zu finden. Aufgrund des größeren Gepäcks musste ein Rucksack getragen werden, was sich ein paar Tage nach dem Zieleinlauf rächen sollte: Der Rucksack klemmte einen Nerv im Rücken ein, wodurch die linke Hand nun noch einige Wochen taub bleiben wird. Am Fahrrad gab es keine Probleme, Pannen oder Defekte, ebenso wenig wie mit dem restlichen Material dank langer Planung.

Frankreich:
Ohne die Bevölkerung Frankreichs kritisieren zu wollen, bereitete es doch in Teilen große Probleme, dass die Sprache der englischen Bevölkerung fast grundlegend abgelehnt wurde, obwohl am Start der internationalen Veranstaltung Menschen aus aller Welt ihren Mund öffneten. Trotzdem war die Veranstaltung aber gut organisiert und so reichte die Kenntnis über das französische Wort für Dankeschön eigentlich immer aus. Landschaftlich hatte die Strecke ebenso ihre Eigenheiten, die besonders hart wurden, als es hunderte Kilometer über immer höher werdende Hügelketten ohne Abwechslung am Straßenrand geradeaus ging. Andersherum gab es aber genauso Landschaften mit schöneren Eigenheiten, viel Abwechslung und tollen Panoramen. Höhenmeter die an der Zahl fast die 12.000 erreichten, gab es zumeist in langen flachen Anstiegen, an Kurven wurde dabei aber oft gespart. Als sparsam bleibt auch teilweise die Verarbeitung des Straßenbelags in Erinnerung, der oft raue Beläge und Schlaglöcher mit sich brachte.

Das Projekt:
Insgesamt war das Projekt Paris-Brest-Paris 2015 ein voller Erfolg, den schließlich sehr viele Menschen im Internet und in der Presse verfolgt haben. Neben dem Abitur war die Qualifikation mit 200-, 300-, 400-, und 600 Kilometer langen Brevets ein langer Weg, der sich nun doch gelohnt hat. Paris-Brest-Paris als jüngsten deutschen Starter in 62 Stunden und echter Ranndonneursart nahezu ohne Schlaf zu beenden war ebenso anstrengend und hart wie emotional bewegend. Dankbar geht der Erfolg an die Sponsoren und Unterstützer des Projekts, die nun auch Teil des Films über das Projekt sind !! :)

 

Karl Helpferer | WSV Clausthal-Zellerfeld | Bad Bikers MTB Sport e.V. | McDonalds Wernigerode | Mike Kraft | Denise Reichel | Manuel Eichhorn | Henning Borchert | Zweirad Langer | Robert Roller | und weitere.


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